Streiflichter ins Dunkel oder
Nähere Beleuchtung einer Ausstellung
I
Nichts ist wie es scheint
Bei Licht besehen, kann ein Gegenstand eine ganz
andere Ordnung bekommen als er vorgibt.
Drei Segelschiffe, drei beinahe identische Schatten
– jedoch lässt sich von ihnen nicht
auf die Objekte schließen, die diese Schatten
werfen. Eines scheint mit seinen Formen direkt
aus der Werkstatt der Konstruktivisten zu stammen,
ein anderes wirkt wie das rohe Modell planlos
hin gewürfelter Hochhäuser mit überdimensionierten
Strommasten, das dritte gar gibt die Szene einer
Ausflugsgesellschaft wieder. Würden sich
die Figuren jener Gruppe jedoch tatsächlich
in Bewegung setzen, gäbe es das Schiff nicht,
auf das sie hinzusteuern scheinen. Das Spiel mit
dem Schatten als Bild wird zum künstlerisch
gestalteten Paradoxon.
Wo Tassen und Teller durch die Luft segeln, Stühle
und Tisch einander fremd sind und zwei Frauen
an Gullivers Reisen erinnern, entsteht durch den
Einsatz des Lichtes die schöne Harmonie einer
sonntäglichen Kaffeetafel. Im scheinbaren
Chaos entdeckt sich die verborgene Ordnung.
II
Am Lichtsaum beginnt die Schattenhaft
Fotografieren heißt, mit Licht zu zeichnen.
Dieses Mittel wird genutzt für eine Auseinandersetzung
mit den „Schatten der Vergangenheit“,
die bis in die Gegenwart wirken.
Fotos von unmittelbaren Eindrücken bei Besuchen
der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück,
hinterlegt mit Zeitzeugnissen aus dem Archiv,
verbinden in einem siebenteiligen Zyklus künstlerische
und politische Aussage.
Das auf Folie gedruckte digital bearbeitete Bildmaterial
in Schwarz-Weiß, unter Plexiglasscheiben
im Format 70x80cm gebracht, fordert die lichtgebundene
Präsentation.
III
Der Funke fliegt – ein Licht geht auf
Aus Lichtleitern sprühen Funken, gebettet
in eine dunkle Woge, und erinnern an den Moment
der Schöpfung.
Die Hand ertastet Scherben von Glas. Das Auge
„speist“ von dem eisklaren Licht,
gefüllt in Schalen aus gebrannter Erde. Licht
ist Nahrung.
Insgesamt sechs Raumobjekte geben auf verschiedene
Weise dem Leuchten eine Form. Auch mit Funkenflug
und Flammen wird das möglich: Ein Feuerkreis
aus Ästen, Zweigen und Naturmaterialien zeichnet
magische Linien ins Dunkle. Licht nährt sich,
indem es verbrennt.
IV
Das Licht im Koffer nach Hause tragen
Neun Zeichnungen auf EDV-Lochkarten im Format
18x7cm aus einem Zyklus, der am Küchentisch
entstehen muss.
Im Mittelpunkt steht die menschliche Figur. Sie
offenbart Licht und Schatten als Wesenhaftes des
Menschen. Das Ambivalente der Seele spiegelt sich
in den Körperhaltungen wider.
Die da zeichnet, will den Schatten von Haus und
Hof mittragen oder ihn befreien, indem sie sich
selbst, und sei es auch für jeweils fünf
Minuten, das Licht der Kunst erhält.
V
lichtecht und schattenreich
Die Auseinandersetzung mit poetischen Texten zum
Thema sucht bildnerische und kalligrafische Entsprechungen.
Licht- und Schattenwörter stehen als Bildinformation
geschrieben auf Reispapier, das im asiatischen
Raum Verwendung in der Wohnkultur findet.
Das Modell eines Mobiles macht durch die Bewegung
im Licht Überlagerungen und Verschiebungen
eines in verschiedenen Varianten ausgeschnittenen
kalligrafischen Schriftbildes sichtbar. Schattenwürfe
sollen auch räumlich erfahrbar sein.
VI
Spiel um Flut und Licht
Ein grönländischer Mythos wird frei
erzählt. Der Star in dem kleinen Theaterstück
ist das Licht. Das Experiment mit verschiedenen
Lichtquellen zeigt erstaunliche dramatische Wirkungen.
In einem Vorspiel werden Sprichwörter und
Redensarten zum Thema „Schatten“ verschmolzen
zu einer absurden Ansprache an das Publikum.
Beim Nachspiel auf dem Theater können sich
die Zuschauer selbst auf „Schattensuche“
begeben, indem sie entdecken, wie Wesen aus Plasteresten
ihre bezaubernde Schönheit entwickeln, wenn
man sie nur mit dem rechten Licht betrachtet.
VII
Augen auf!
Ein Auge blickt aus dem Granit: Die Sehfähigkeit
ist die Grundvoraussetzung zur Wahrnehmung des
Lichts.
In einem Kreis aus Steinen wechseln hell und dunkel,
einheimischer Granit und italienischer Flussmarmor.
Auf ihnen werden Symbole sichtbar, die Lichtes
und Schattenhaftes aus dem Reichtum der Mythen
schöpfen. Quellen sind z. B. die Astrologie,
die Maya-Schrift, der Dionysos-Kult. Der Widder,
die Sonne, der Mond erscheinen in Gestalten, die
eigentlich nur noch aus Büchern bekannt sind.
VIII
Licht ist wie es scheint
Wann ist Licht? Genauer gesagt: Wann kommt das
Leuchten aus einem selbst? Wann ist die ganze
Welt in Licht getaucht und der Schatten nur ein
Teil dieses Lichtes?
Zwei Gedichte über die Liebe mit zwei einander
widersprechenden Anfängen.
Die akribisch geschnittenen weißen Papierbuchstaben
werden auf der Leinwand erst durch Beleuchtung
wirklich lesbar – sie scheinen in einem
warmen Goldton auf. |