LICHT UND SCHATTEN
Wiebke Steinmetz

 

Von Holzköpfen und anderen "bekannten" Figuren

Ein kurzer Abriss zu den Arbeiten der Holzgestalterin Wiebke Steinmetz

Fast zehn Jahre dauerte es, bis Wiebke Steinmetz das Schnitzen nach spielerischen Anfängen für sich als ernstzunehmende Aufgabe betrachtete. Da war sie bereits als Ausstatterin für Puppentheaterstücke tätig und fertigte dafür Figuren. Das freie figürliche Arbeiten in Holz, das eigenständige Erfinden gewann mehr und mehr Raum und führte schließlich dazu, dass viel bestaunte Holzskulpturen mit dem ihnen eigenen Ausdruck entstanden.

Aufbauend auf ihre Erfahrungen bei der Gestaltung von Figuren fürs Puppentheater wollte Wiebke Steinmetz erproben, ob mit einem Kopf allein dasselbe zu erreichen ist wie mit einer ganzen Figur. Der einzelne Kopf wird auseinander geschnitten und wieder zusammengesetzt. "Mich fasziniert die Beweglichkeit, die dadurch erreicht wird, das Veränderliche des Gesichts.", sagt Wiebke Steinmetz über ihre "Scheibenköpfe". Durch die Verschiebung der Scheiben werden die einem einzigen Kopf entspringenden zwei Gesichter deutlich. Unwillkürlich drängt sich dem Betrachter die Frage nach der Ähnlichkeit auf.
Auch die so genannten "Masken" sind mehrgesichtig bzw. erhalten durch eine ornamentale Gestaltung zusätzlich zum eigentlichen Ausdruck eine zweite "Prägung".
Andere Köpfe bleiben in ihrem materiellen Aufbau auf das Minimalste beschränkt. Alles vom Holz Subtrahierte ist jedoch vorhanden. Das Auge des Betrachters ergänzt die beinahe grafische Linienhaftigkeit mit der beabsichtigten Durchsichtigkeit zu einer ganzheitlichen Figur.

Eine andere Art der Auseinandersetzung mit dem Material Holz offenbart sich in den 30 bis 70 cm großen Figuren, bei denen der in angedeuteter Form gestaltete Korpus im Kontrast steht zu filigranen Kopfstudien. Sichtbar angesetzte Details widersprechen kühn den Gesetzen der klassischen Bildhauerei. Die hier vorhandene materielle Spannung zwischen Rauheit und Glattheit wird auch bei den "Inselfiguren", die vorrangig im Vorjahr entstanden, als künstlerisches Mittel genutzt. Die aus Portugal stammende Erdbeerbaumwurzel bildet einen schwebend-schwimmenden Schauplatz für Miniaturköpfe, die zwischen einem halben und einem Zentimeter groß sind.

Der Drang zum filigranen Arbeiten und die Fähigkeit, Details in kleinster Form wiederzugeben, zeigt sich auch bei den seit 2001 entstandenen Schattenbildern. Die mit einem feinen scharfen Messer geschnittenen erzählenden Bilder sind durch das hinterklebte japanische Reispapier lichtdurchlässig gemacht.
Kamele und Fahrräder, Schornsteinfeger, Könige und Waschfrauen sind beständig wiederkehrende Motive ideenreich entworfener dramatischer Szenen.
"Ich wollte früher lieber mit meinen Figuren eigene Stücke machen und Regie führen.", gesteht Wiebke Steinmetz. Mit ihren Schattenbildern ist es ihr ein wenig gelungen, sich diesen aus den Zeiten des Puppentheaters stammenden alten Wunsch zu erfüllen.

Ines Baumgartl